Geschichte
Die Geschichte der Zigarre reicht 500 Jahre zurück. Die elektrische Zigarre ist ein jüngeres Phänomen, eng verknüpft mit der allgemeinen Entwicklung der E-Zigarette. Eine kurze chronologische Einordnung.
Tabak in der Neuen Welt
Tabak wurde von den Tainos und Arawak in der Karibik kultiviert und bei Ritualen und Heilzeremonien geraucht. Christoph Kolumbus beobachtete den Konsum am 28. Oktober 1492, als er Kuba erreichte. Die spanische Krone brachte Tabakpflanzen und Konsumtechniken nach Europa, wo sich der Konsum im 16. und 17. Jahrhundert verbreitete — zunächst als Pfeifentabak und Schnupftabak, später als Zigarre und Zigarette.
Kuba als Zentrum
Kuba entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zum führenden Produzenten von Premium-Zigarren. Die Region Vuelta Abajo in der Provinz Pinar del Río liefert bis heute die berühmtesten Tabakblätter. Marken wie H. Upmann (1844), Partagás (1845), Romeo y Julieta (1875), Cohiba (1966) sind international berühmt.
Nach der kubanischen Revolution 1959 verstaatlichte das Castro-Regime die Tabakindustrie. Cubatabaco (später Habanos S.A.) wurde das Staatsunternehmen, das alle kubanischen Zigarren weltweit vertreibt — mit Ausnahme der USA, wo das Handelsembargo seit 1962 gilt.
Karibische Republiken nach 1959
Das US-Embargo trieb viele kubanische Tabakproduzenten ins Exil. Sie siedelten sich vor allem in der Dominikanischen Republik, in Nicaragua und in Honduras an und gründeten neue Manufakturen. Heute kommt der Großteil der weltweit verkauften Premium-Zigarren von dort:
- Dominikanische Republik — Marken wie Davidoff, Arturo Fuente, La Aurora.
- Nicaragua — Padron, Oliva, My Father, Joya de Nicaragua.
- Honduras — Camacho, Punch (auch in Nicaragua), Alec Bradley.
Die kubanischen Marken existieren ironischerweise zweimal: einmal in Kuba (von Habanos S.A.) und einmal als ehemals exilierte Marken in der Dominikanischen Republik. So gibt es sowohl "Romeo y Julieta" aus Habana als auch eine dominikanische Version, was zu rechtlichen Auseinandersetzungen führt.
Aufstieg der E-Zigarette
Die moderne E-Zigarette wurde 2003 von dem chinesischen Apotheker Hon Lik erfunden und ab 2004 international vertrieben. Sein Ziel war ursprünglich ein Rauchersatz zur Tabakentwöhnung. Die ersten Marktprodukte waren Cigalikes — Geräte in der Form einer Zigarette. In den folgenden Jahren entwickelten sich Vape Pens, Box-Mods, Pod-Systeme und Disposables.
Die elektrische Zigarre
E-Cigars entstanden ab etwa 2008 als Nische im wachsenden E-Zigaretten-Markt. Erste Modelle waren stark vereinfacht: größer als Cigalikes, in zigarrenförmiger Verpackung, oft mit dunkelbrauner Lackierung. Sie versuchten, Cigar-Aficionados anzusprechen oder einen Ersatz für Situationen anzubieten, in denen das klassische Rauchen rechtlich oder sozial nicht möglich war.
Mitte der 2010er Jahre weitete sich der Markt aus. Premium-Hersteller wie Davidoff brachten Refill-Systeme heraus, die ihre Cigar-Heritage explizit als Markenvorteil nutzten. Andere Marken kamen auf der wachsenden Disposable-Welle 2020-2024 in den Markt, oft mit zigarrenoptischer Anmutung als Verkaufsargument.
Gegenwart
Heute ist die elektrische Zigarre ein kleines, aber etabliertes Segment innerhalb der allgemeinen E-Zigaretten-Welt. In Deutschland werden sie wie alle E-Zigaretten nach TPD2 reguliert. Marktanteil schwer zu beziffern, sicher unter 5 % des gesamten E-Zigaretten-Markts. Die Hauptnachfrage kommt aus dem Premium-Segment und aus dem Einsteiger-/Geschenkbereich.
Parallel zu diesem Segment existiert weiterhin der klassische Zigarrenmarkt. Beide bedienen unterschiedliche Käufergruppen mit nur teilweiser Überlappung. Der typische Cigar-Aficionado bleibt der echten Zigarre treu; der typische Vaper interessiert sich selten für elektrische Cigars im Speziellen.