Etikette
Die klassische Zigarre folgt einer Etikette, die sich über Generationen entwickelt hat. Für ihre elektrische Variante gilt sie nur teilweise — und manchmal stellen sich neue Fragen. Eine Orientierung.
Die Etikette der klassischen Zigarre
Wer eine klassische Zigarre raucht, folgt einigen ungeschriebenen Regeln:
- Zeit und Ort — Eine Zigarre verlangt Zeit. Sie wird nicht zwischen zwei Terminen geraucht. Idealerweise nach einer Mahlzeit, im Cigar-Lounge, im Garten, am Kamin.
- Vorbereitung — Schneiden des Kopfes mit Cutter oder Punch, anschließendes langsames Anzünden mit Streichholz oder Zedernholzspleiss. Niemals mit Feuerzeug-Treibgas, das den Geschmack beeinträchtigt.
- Asche — Wird so lange wie möglich am Wrapper gehalten und erst dann sanft im Aschenbecher abgestreift. Eine lange, gleichmäßige Asche gilt als Qualitätszeichen.
- Inhalation — Wird nicht inhaliert. Der Rauch wird im Mund behalten, geschmacklich erkundet und wieder ausgepafft.
- Gespräch — Die Zigarre ist begleitend, nicht zentral. Gespräch und ein Begleiter-Getränk (Whisky, Cognac, Portwein, Espresso) stehen im Vordergrund.
- Ende — Eine Zigarre wird nicht ausgedrückt. Sie wird abgelegt und erlischt von selbst. Das lässt sich an einer guten Zigarre beobachten: sie sollte gleichmäßig brennen und sich selbst regulieren.
Übertragbar oder nicht?
Bei einer elektrischen Zigarre entfällt vieles davon. Es gibt nichts zu schneiden, nichts anzuzünden, keine Asche zu beobachten, kein Erlöschen am Ende. Damit fällt ein Großteil der ritualisierten Komponente weg. Was bleibt:
- Zeit und Begleitung — auch eine elektrische Zigarre kann in Begleitung eines Espressos oder Cognacs in Ruhe konsumiert werden.
- Mundpaffen — möglich, wenn der Anwender bewusst MTL-Inhalation oder reines Mundbehalten praktiziert.
- Soziale Begleitfunktion — nur eingeschränkt: Cigar-Lounges nehmen elektrische Zigarren oft mit Vorbehalt, weil sie dort als nicht zur Tradition passend gelten.
Konkrete Konstellationen
Cigar-Lounge
Klassische Cigar-Lounges sind für das Rauchen echter Zigarren konzipiert. Viele lehnen elektronische Verdampfungsgeräte ab oder dulden sie nur während bestimmter Zeiten. Wer eine elektrische Cigar dort verwenden möchte, fragt am besten vorher beim Betreiber. Etikette: Die echte Zigarre hätte Vorrang.
Restaurant
Klassische Zigarren dürfen in deutschen Restaurants nicht geraucht werden — das deutsche Nichtraucherschutzgesetz und die Länderregelungen lassen das nicht zu. Für elektrische Zigaretten und damit elektrische Zigarren ist die rechtliche Lage komplexer: Sie fallen oft nicht unter den klassischen Nichtraucherschutz, weil sie keinen Rauch erzeugen. Allerdings haben die meisten Restaurants Hausrecht und dürfen den Konsum verbieten. In der Praxis: weitgehend unerwünscht in Innenräumen, manchmal toleriert auf Außenbereichen.
Wohnumgebung
Das eigene Wohnen ist der entspannteste Konsumort. Hier sind sowohl klassische als auch elektrische Zigarren möglich. Bei Mehrfamilienhäusern ist auf die Mitbewohner zu achten: Auch elektrisches Aerosol kann durch Lüftungsschächte oder offene Fenster nach draußen gelangen. Bei Familien mit Kindern oder Allergikern besteht zumindest höflicherweise Diskussionsbedarf.
Öffentlicher Raum
Auf der Straße, im Park, im Außenbereich von Cafés: Hier gibt es keinen formalen Konflikt. Mit der optischen Anmutung einer Zigarre kann allerdings das Stigma einer Tabakzigarre übernommen werden — auch ohne tatsächlichen Tabak. Wer das nicht möchte, wählt ein zurückhaltenderes Gerat.
Arbeitsplatz
Im Innenraum am Arbeitsplatz ist Verdampfen praktisch nirgends geduldet — weder als klassische Zigarre noch als elektrische Variante. Außenbereiche je nach Hausregel.
Auto
Eigenes Auto: unproblematisch, wenn niemand anders mitfährt. Bei Mitfahrenden — auch ohne formelles Verbot — vorher absprechen. Bei Kindern im Auto: kein Verdampfen, weder Tabak noch elektrisch. Das gilt seit Juli 2025 in Deutschland teilweise sogar als rechtlich problematisch im Bereich des Kinderschutzes.
Ton und Auftreten
Beim klassischen Cigar-Konsum gilt: Die Zigarre ist nicht das Hauptereignis. Sie begleitet. Wer mit lautem Auftreten oder als Statussymbol vorführt, verfehlt die kulturelle Form. Diese Haltung ist auch für die elektrische Variante eine sinnvolle Orientierung — mit dem Zusatz, dass die elektrische Cigar leicht als Konsumgüt imitierend wirken kann. Mit Bescheidenheit und Diskretion gewinnt sie.
Häufige Fragen
- Darf ich eine elektrische Zigarre überall rauchen, wo Rauchen erlaubt ist?
Nicht zwangsläufig. Das deutsche Nichtraucherschutzgesetz unterscheidet zwischen Tabakprodukten und E-Zigaretten. Manche Bundesländer haben den Schutzbereich auf E-Zigaretten ausgedehnt, andere nicht. Außerdem hat jeder private Hausherr (Restaurantbetreiber, Café-Inhaber, Hotel) Hausrecht und kann den Konsum eigenständig verbieten.
- Wird eine elektrische Zigarre in Cigar-Lounges akzeptiert?
Das hängt vom Betrieb ab. Klassische Cigar-Lounges sind oft skeptisch, weil elektronische Verdampfung als Bruch mit der Tradition empfunden wird. Vor dem Besuch nachfragen ist die höflichste Variante.